Festival Community

Ninguna noche para Argentina // Hasta el amargo final Pt 1

Ninguna noche para Argentina // Hasta el amargo final Pt 1

Das Leben ist schön. Das ist der Gedanke, der uns gerade durch den Kopf geht, während wir mit unserem argentinischen Wein auf dem Balkon unseres Appartments in Buenos Aires sitzen. So richtig glauben, dass wir hier sind, können wir es auch nach einem Tag im Lande noch nicht. Aber setzen wir vorne an.

Als ich zu Zeiten der Krach der Republik Tour noch meine meiste Freizeit bei den Hosen verbrachte, war Argentinien immer ein zauberhafter Mythos. Jeder, der einmal mit vor Ort war, schwärmte von den einzigartigen Shows und der Warmherzigkeit der Argentinier. Es war immer mein Traum, einmal mit zu fliegen. Endlich selbst verstehen, warum alle sagen, dass man die Hosen erst wirklich live gesehen hat, wenn man mit in Südamerika war.

Aber ich schaffte es nie: zu den damaligen Zeiten war ich noch nicht durchgeknallt genug, um so eine Reise mitzumachen. Und als ich das Level des Wahnsinns erreichte, in dem es nicht mehr abwegig war, den Kontinent zu verlassen, hatte ich mein Herz bereits an fünf Dullis aus Chemnitz verloren. Jeder Urlaubstag und jeder Cent auf dem Gönner-Teil des Kontos ging in den kommenden Jahren für Kraftklub dahin und für die Hosen blieb immer weniger Zeit.

Könnt ihr euch also im Entferntesten vorstellen, was in mir vorging, als die ersten Gerüchte auftauchten, dass Kraftklub als Vorband mit nach Buenos Aires kommen könnten?

Richtig, ich bin schreiend durch das Haus gerannt und habe verzweifelt versucht, meine Tourmädels ans Telefon zu bekommen. Viel Überzeugungskraft war nicht nötig und schnell war klar, dass wir das, frei nach Andreas Freges Leitsatz „Weil du nur einmal lebst“ durchziehen müssen. Informationen wurden zusammengekratzt, Flüge gebucht und die Vorfreude wuchs. Dass das alles wirklich real wird, haben wir bis zuletzt alle nicht wirklich geglaubt.

Unser Abenteuer begann bereits am Frankfurter Flughafen, wo wir zunächst mal zittern mussten, dass wir überhaupt an Bord kommen: wir waren als Standby Flieger gelistet, was bedeutet, dass wir nur dann mitfliegen, wenn am Ende des Boardings noch Plätze frei sind. Das mag nun vielleicht schlimm klingen, ist es aber nicht – die Chancen stehen nämlich meistens gut und etwas Geld lässt sich ganz nebenbei auch noch sparen. Der Puls geht schon hoch, wenn man die Leute in Scharen die Maschine betreten sieht und man selbst noch in Ungewissheit verharren muss, aber das Glücksgefühl ist umso höher, wenn man plötzlich aufgerufen wird. Als wir dann voller Adrenalin in den Flieger hasteten, fiel uns auf, dass auf unseren Bordkarten „Business Class“ steht. Hm, muss wohl ein Fehler sein. Selbst als uns die Flugbegleiterin in die irrwitzig luxuriöse Business Class führte, rechneten wir jede Minute damit, dass uns jemand von unserem Platz verscheucht. Aber nein, weit gefehlt. Wir kamen durch göttliche Fügung und einen wirklich vollen Flieger in den Genuss eines Upgrades und konnten uns 13:40h lang fühlen, als wären wir Reich und Sexy. Die ersten zwei Stunden verbrachte ich mit hysterischem Lachen und dem Ausprobieren aller Sitzfunktionen. Als dann die Menükarte gereicht wurde und es Salzmandeln zum Gin Tonic gab, war ich endgültig fertig mit den Nerven.



Inga neben mir musste mehrfach schmunzelnd mit den Augen rollen, wenn ich gerade zum dritten Mal mein Essen fotografierte oder meinen Sitz alle zwei Minuten in andere Winkel verstellte. Da fliegst du als armer Tourer ans andere Ende der Welt und Eine unfassbare Erfahrung, die zusammen mit der Tatsache, dass die Hosen auch in der Business Class saßen, einen maximal absurd-schönen Auftakt zu unserer Reise bildete. (Und bevor jemand fragt, ja, man stirbt tausend Fantode, wenn man neben Campi in der Passkontrolle steht. Been there, done that).

Ja, man kann schon sagen, dass die dreizehn Stunden Flug in so einem Ambiente recht schnell vorbei sind. Aber anstrengend ist es dennoch – vor allem wenn man wie ich am Gepäckband aus Unternikotinisierung einen halben Blutsturz bekommt. Generell war das Ankommen am Flughafen aber eine sehr aufregende Geschichte, weil es noch einmal ein Stück realer wurde, dass wir diese Reise tatsächlich machen.

Als wir dann hektisch aus dem Flughafen stürzten und schon nach den Zigaretten kramten, wurden wir von einem fröhlichen Argentinier überrascht: eine Freundin aus dem Hosenlager, die schon mehrere Tage in Buenos Aires ist, hat uns als Überraschung einen Fahrer geschickt. Da ich mit meiner Haarfarbe und dem Bandana wohl recht auffällig bin, fiel uns Gaston direkt um den Hals und hieß uns herzlich Willkommen. Diese Herzlichkeit direkt zu Beginn zusammen mit der ohnehin großen Aufregung hat uns wirklich fast zu Tränen gerührt. Die Fahrt in die Stadt wurde dann untermalt von einigen interessanten Anekdoten, während wir ungläubig den bekloppten Verkehr beobachteten und versuchten, unsere emotionale Überforderung zu koordinieren.

Das ist also dieses Buenos Aires. Wir haben uns im Vorfeld ein Appartment in Palermo ausgesucht, ein Viertel relativ nah am Meer, was uns im Vorfeld als hip und vor allem sicher angepriesen wurde. Der erste und zweite Eindruck bestätigen diese Empfehlung absolut. Bunte, liebe volle Häuser und tolle Cafés und Bars die einen zum Bleiben einladen in jeder Ecke. Aber das nur als kleiner Teaser zur Stadt an sich. Ausführlichere Impressionen zur Stadt werde ich hier folgen lassen, wenn wir etwas länger hier sind.



Unseren ersten Abend haben wir gestern in der Hosen-Bar verbracht. Ja, ihr lest richtig. Mitten in Buenos Aires gibt es eine Bar, die sich nur den Toten Hosen verschrieben hat. Ein Treffpunkt für alle deutschen und argentinischen Hosenfans, wo am gestrigen Abend schon ordentlich was los war. An den Wänden weit und breit nur die Antlitze der Düsseldorfer, aus der Anlage Campis Stimme und aus dem Zapfhahn acht verschiedene Biere. Eine wirklich schöne Atmosphäre um sich kennenzulernen und bei einem Altbier Geschichten von der Tour auszutauschen. Trotzdem sind wir hier irgendwie die Paradiesvögel, so in unseren Kraftklub Shirts. Mir war ja durchaus im Vorfeld klar, dass die Kraftis bei ihren bisherigen Gastspielen als Vorgruppe der Hosen nicht unbedingt gut aufgenommen wurden, aber was man hier so hört, ist die Stimmung etwas negativer als nur durchwachsen. Kurz gesagt hält man uns für total gestört wegen dieser Band ans andere Ende der Welt zu fliegen. Wir haben uns bereits einen Spaß draus gemacht, die Rolle der jungen Girls voll mitzuspielen und den richtig harten Hosenfans ihre Klischees zu erfüllen. Wir halten die Kraftklub-Fahne hoch und stehen voll dazu! Kilombo!







Allerdings zeigte dann schon recht früh am Abend der Alkohol seine Wirkung und die Spätfolgen des Flugs machten sich bemerkbar. So fielen wir also das Altbierlied gröhlend in einen McDonalds ein und ließen uns von einem Taxi im strömenden Regen zurück nach Hause bringen.

Gerade waren wir das wohl beste Steak unserer Leben Essen; das argentinische Fleisch hält, was sein Ruf verspricht. Nach rund 500g Fleisch und einer guten Flasche Rotwein zum Mittag brauchen wir jetzt erst einmal ein bisschen Bewegung, so machen wir uns nun gleich auf den Weg auf die Spuren Evitas im Buenos Airischen Mausoleum.



Danach folgt ein kurzer Abstecher nach San Telmo, wo wir beim hiesigen Goethe-Institut vorbeischauen. Dort spielt der Kraftklub recht kurzfristig am Donnerstag Abend eine Show für die Mitarbeiter und Deutschschüler des Instituts, also quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. NAch ein paar flehenden Mails konnten wir die netten Leute von dort überzeugen, dass wir auf keinen Fall fehlen dürfen. Also holen wir uns nachher unsere Karten ab und freuen uns auf vier Mal Kraftklub in vier Tagen - härter als auf Tour hier!

Heute Abend wird dann vermutlich noch das ein oder andere Bier in der Hosen-Bar folgen, ehe wir morgen früh bereits nach Mendoza fliegen und der Tourwahnsinn endlich einkehrt. Ihr seht, hier ist sehr viel los und ich versuche, in den nächsten Tagen auf all die interessanten Aspekte hier einzugehen. Haut also ruhig raus, wenn ihr etwas wissen wollt!

Hasta pronto, Sammy

Stiflers_Mom Stiflers_Mom bei Karlsruh'

www.bandanajones.de // MIT K!

#GreatestBits

GreatestBits ist ein Ort, an dem wir euren Content und das Beste aus dem Netz zusammentragen. Von Fans für Fans.

Jetzt mitmachen

Fanzine Feed
Die Ticketdealer ? Miese Tricks bei Viagogo
The 50 Greatest Rock and Roll Movies of All Time
Glastonbury festival bans plastic bottles
Le Guess Who? 2018 - Erlebe, was du noch nicht gehört hast!
Kein Maifeld Derby 2020: Warum das Liebhaber-Festival eine Pause braucht
Festival ohne Bands: Das Erfolgskonzept auf dem Weg zum Tripple
Rhythmus im Blut: Africa Festival in Würzburg
Parkway Drive auf dem Weg zum Headliner?